Initiative18
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Kampagne „Freiheit braucht das ganze Bild.“

Kampagne „Freiheit braucht das ganze Bild.“

Die Initiative 18 setzt sich dafür ein, „freie, sichere und nachhaltige Medien“ als 18. Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen zu verankern. Nur eine vielfältige Medienlandschaft gibt der Gesellschaft die Chance, Wirklichkeit aus allen Blickwinkeln zu sehen – nicht nur aus einem.

Um diese Botschaft erlebbar zu machen, greifen wir zu einem starken Symbol: ikonische Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Bilder, die Debatten auslösten, Emotionen weckten, historische Wendepunkte markierten.

Der leblos am Strand liegende Alan Kurdi. Der Mann, der sich in Peking allein einer Kolonne Panzer entgegenstellte. Der Schuhabdruck des ersten Menschen auf dem Mond. Das Mädchen, das nach einem Napalm-Angriff nackt, weinend und verbrannt auf einer Straße in Vietnam läuft.

All diese Aufnahmen zeigen Momente, die die Welt bewegten – und sie wurden erst zu globalen Symbolen, weil sie durch viele Medien und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wurden.

In unserer Kampagne fehlt in jedem Motiv ein Stück: ein herausgeschnittenes Puzzleteil. Es steht für das, was verschwindet, wenn Medienvielfalt verloren geht. Fehlt ein Teil, ist das Bild unvollständig – und damit auch unser Verständnis von der Wahrheit.

Wir urteilen nicht über die Ereignisse, die diese Bilder zeigen. Jedes Motiv erzählt Geschichten, die Menschen unterschiedlich deuten – manchmal widersprüchlich, oft emotional. Genau darin liegt der Kern: Eine vielfältige Medienlandschaft gibt Raum für all diese Sichtweisen, nebeneinander und im Dialog. Nur so kann sich ein vollständiges Bild formen, das nicht von einer einzelnen Stimme, sondern von der Summe vieler Perspektiven getragen wird.

Medienvielfalt schützt Demokratie.

Denn Freiheit braucht das ganze Bild.

Motiv: „Alan Kurdi“

Motiv: „Alan Kurdi“ - Campaign poster
Motiv: „Alan Kurdi“ - Original photograph

Im September 2015 erschütterte ein Foto die Welt: der leblose Körper des dreijährigen Alan Kurdi, angespült an einem Strand in der Türkei. Alan ertrank, als seine Familie vor dem Krieg in Syrien fliehen wollte. Das Bild wurde zu einem Symbol für die menschliche Tragödie der Flüchtlingskrise und prägte die öffentliche Debatte über Flucht, Migration und humanitäre Verantwortung.

Bedeutung für Medienvielfalt:

Dass dieses Bild weltweit bekannt wurde, lag nicht an einem einzelnen Medium, sondern an der parallelen Berichterstattung vieler unterschiedlicher Stimmen: internationale Nachrichtenagenturen, große Tageszeitungen, unabhängige Journalist:innen und soziale Medienplattformen. Diese Vielfalt verhinderte, dass das Foto unterdrückt oder in einen einseitigen Kontext gezwungen wurde. Stattdessen erreichte es Menschen über unterschiedlichste Kanäle und Narrative – mal als politischer Appell, mal als humanitäres Mahnmal.

Medienvielfalt garantiert, dass auch unbequeme Wahrheiten sichtbar werden können. Wenn nur wenige, zentralisierte Stimmen den Informationsfluss kontrollieren, besteht die Gefahr, dass entscheidende Bilder – und damit entscheidende gesellschaftliche Diskussionen – nie gesehen werden.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur wenn viele Perspektiven nebeneinander existieren, können wir uns ein vollständiges, kritisches und persönliches Bild der Welt machen.

Motiv: „George Floyd“

Motiv: „George Floyd“ - Campaign poster
Motiv: „George Floyd“ - Original photograph

Am 25. Mai 2020 filmte eine Passantin in Minneapolis, wie ein Polizist minutenlang mit dem Knie auf dem Nacken von George Floyd kniete. Floyd beklagte mehrfach, er könne nicht atmen, und starb kurz darauf. Das Video verbreitete sich innerhalb weniger Stunden weltweit über soziale Medien, begleitet von der Berichterstattung unabhängiger und etablierter Nachrichtenmedien. Die Aufnahmen lösten unter dem Motto „Black Lives matter“ globale Massenproteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aus und führten zur Verhaftung und Verurteilung der verantwortlichen Polizisten.

Bedeutung für Medienvielfalt:

Dieses Bild und die dazugehörigen Videos hätten in einem eingeschränkten Mediensystem leicht unterdrückt oder verzerrt werden können. Nur durch die Kombination aus Bürgerjournalismus, unabhängigen Redaktionen und internationalen Medienplattformen konnte der Vorfall unverfälscht ans Licht kommen. Unterschiedliche Medien boten Raum für verschiedene Perspektiven: persönliche Zeugnisse, juristische Analysen, historische Einordnungen. Medienvielfalt stellt sicher, dass Machtmissbrauch dokumentiert und sichtbar gemacht werden kann - auch wenn er unbequem für Institutionen oder Regierungen ist. Ohne sie wären viele Missstände unsichtbar geblieben.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur eine offene und vielfältige Medienlandschaft schützt die Wahrheit vor dem Verschwinden.

Motiv: „Napalm-Mädchen“, Vietnamkrieg 1972

Motiv: „Napalm-Mädchen“, Vietnamkrieg 1972 - Campaign poster
Motiv: „Napalm-Mädchen“, Vietnamkrieg 1972 - Original photograph

Am 8. Juni 1972 floh die damals neunjährige Phan Thị Kim Phúc während des Vietnamkriegs nackt, schreiend und mit schweren Verbrennungen von einem versehentlichen Napalm-Angriff auf ihr Dorf. Das Foto ging um die Welt und wurde zu einem der prägendsten Antikriegsbilder des 20. Jahrhunderts. Es veränderte die öffentliche Wahrnehmung des Krieges und trug dazu bei, das Drängen auf ein Kriegsende zu erhöhen.

Bedeutung für Medienvielfalt:

Das Bild hätte in einer kontrollierten Medienlandschaft leicht zensiert werden können - wegen seiner Brutalität, seiner politischen Brisanz oder schlicht, weil es nicht ins offizielle Narrativ passte. Doch dank einer internationalen Presse, die unabhängig arbeitete und sich der Veröffentlichung verpflichtet fühlte, erreichte es Menschen in aller Welt. Verschiedene Medien boten unterschiedliche Einordnungen: humanitäre, politische und militärische.

Medienvielfalt stellt sicher, dass die Realität von Krieg und Leid nicht ausgeblendet wird. Nur durch viele unabhängige Stimmen bleibt die Wahrheit sichtbar – auch wenn sie unbequem ist.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur wenn wir hinschauen dürfen, können wir handeln.

Motiv: „Erster Mensch auf dem Mond“

Motiv: „Erster Mensch auf dem Mond“ - Campaign poster
Motiv: „Erster Mensch auf dem Mond“ - Original photograph

Am 20. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. Das Foto des Stiefelabdrucks im Mondstaub wurde zu einem ikonischen Symbol für den wissenschaftlichen Fortschritt und die menschliche Neugier. Millionen verfolgten die Mondlandung live – dank der Berichterstattung vieler Fernseh- und Radiostationen weltweit.

Bedeutung für Medienvielfalt:

In einer Welt mit beschränkter Medienvielfalt wäre dieses Ereignis möglicherweise nur gefiltert durch einzelne staatlich kontrollierte Quellen sichtbar geworden. Die parallele Berichterstattung aus unterschiedlichen Ländern und Perspektiven machte das Ereignis nicht nur zu einem amerikanischen Triumph in Zeiten des Kalten Krieges, sondern zu einem globalen Moment der Menschheitsgeschichte. Wissenschaftliche, technische, politische und sogar kulturelle Deutungen wurden nebeneinander sichtbar und gaben dem Ereignis erst seine ganze Bedeutung.

Medienvielfalt stellt sicher, dass Weltgeschichte nicht nur aus einer Sicht erzählt wird. Sie öffnet den Blick für verschiedene Narrative, Hintergründe und Bedeutungen – und lässt Menschen selbst urteilen, was dieser Moment für sie bedeutet.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur wenn viele Stimmen berichten, wird Geschichte zu einem gemeinsamen Erlebnis.

Motiv: „Tank Man“, Tiananmen-Platz

Motiv: „Tank Man“, Tiananmen-Platz - Campaign poster
Motiv: „Tank Man“, Tiananmen-Platz - Original photograph

Am 5. Juni 1989, einen Tag nach der blutigen Niederschlagung der Demokratieproteste in Peking, stellte sich ein unbekannter Mann allein einer Kolonne von Panzern entgegen. Das Bild des „Tank Man“ wurde heimlich aufgenommen und aus China herausgeschmuggelt. Es wurde zu einem der bekanntesten Symbole für den Mut des Einzelnen gegenüber staatlicher Gewalt.

Bedeutung für Medienvielfalt:

In China selbst wurde dieses Bild sofort zensiert – es existiert dort für die meisten Menschen offiziell nicht. Die Welt erfuhr nur dank der Arbeit mehrerer internationaler Journalist:innen davon, die unabhängig voneinander das Foto und die Videos verbreiteten. In einem einseitig kontrollierten Mediensystem wäre dieser Moment verloren gegangen – und mit ihm ein wichtiges Stück Zeitgeschichte.

Medienvielfalt stellt sicher, dass Bilder, die Macht in Frage stellen, nicht einfach verschwinden. Sie ermöglicht, dass auch Geschichten über Widerstand, Freiheit und Menschlichkeit erhalten bleiben – selbst wenn sie mächtigen Interessen widersprechen.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur eine offene und vielfältige Medienlandschaft schützt Erinnerungen vor dem Vergessen.

Motiv: „Blumenwurf im Thüringer Landtag“

Motiv: „Blumenwurf im Thüringer Landtag“ - Campaign poster
Motiv: „Blumenwurf im Thüringer Landtag“ - Original photograph

Am 5. Februar 2020 wurde Thomas Kemmerich (FDP) mit den entscheidenden Stimmen der AfD überraschend zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt – ein Tabubruch in der deutschen Nachkriegspolitik. Aus Protest warf Susanne Hennig-Wellsow, Landeschefin der Linken, Kemmerich den für den designierten Ministerpräsidenten Ramelow gedachten Blumenstrauß vor die Füße.

Bedeutung für Medienvielfalt:

Die Interpretation dieses Moments hing stark davon ab, wer berichtete. Medien mit verschiedenen politischen Ausrichtungen lieferten ein Spektrum an Deutungen: von zivilcouragiertem Akt des Protests über symbolische Abgrenzung bis hin zu politischer Inszenierung. Erst in der Vielfalt dieser Perspektiven konnten Bürger:innen die Tragweite des Vorgangs umfassend verstehen.

Medienvielfalt bedeutet hier: Kontroverse politische Handlungen bleiben nicht monolithisch, sondern werden durch unterschiedliche Deutungsangebote sichtbar. Damit wird demokratische Selbstverständlichkeit bewahrt – auch in komplexen oder verstörenden Situationen.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur durch vielfältige Medienperspektiven entstehen ein fundiertes Verständnis und echte Meinungsbildung.

Motiv: „11. September 2001“

Motiv: „11. September 2001“ - Campaign poster
Motiv: „11. September 2001“ - Original photograph

Am Morgen des 11. September 2001 prallten zwei entführte Passagierflugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York. Die Aufnahmen der brennenden Türme und des zweiten Flugzeugs kurz vor dem Einschlag gingen live um die Welt und prägten sich als eines der meistgesehenen Bilder der modernen Geschichte ein.

Bedeutung für Medienvielfalt:

Die Ereignisse dieses Tages wurden zeitgleich von unzähligen Kameras, Nachrichtenagenturen und Augenzeug:innen festgehalten. Unterschiedliche Medien berichteten in Echtzeit – teils sachlich, teils emotional, teils spekulativ. Diese Vielfalt an Quellen war entscheidend, um das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln zu verstehen: als Terroranschlag, als geopolitischen Wendepunkt, als menschliche Tragödie. In einem kontrollierten Mediensystem hätten Geschwindigkeit, Perspektive und Offenheit dieser Berichterstattung massiv gelitten.

Medienvielfalt stellt sicher, dass historische Momente in ihrer ganzen Komplexität erfasst werden können. Sie verhindert, dass ein einzelnes Narrativ den gesamten öffentlichen Diskurs bestimmt – gerade in Zeiten, in denen sich Geschichte im Sekundentakt entwickelt.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur viele Stimmen zusammen ergeben ein vollständiges Zeugnis der Wahrheit.

Motiv: „Konflikt im Gazastreifen“

Motiv: „Konflikt im Gazastreifen“ - Campaign poster
Motiv: „Konflikt im Gazastreifen“ - Original photograph

Das Bild zeigt Kämpfer der Terrororganisation Hamas, die nach den Angriffen vom 07. Oktober 2023 die verletzte oder getötete Festival-Besucherin Shani Louk auf der Ladefläche eines Pick-ups transportieren. Es stammt aus der Berichterstattung über die eskalierende Gewalt im Gazastreifen und verdeutlicht die Brutalität und Unmittelbarkeit von bewaffneten Konflikten. Solche Aufnahmen sind oft nur möglich, weil Journalist:innen und Fotograf:innen unter hohem persönlichen Risiko vor Ort arbeiten.

Bedeutung für Medienvielfalt:

In bewaffneten Konflikten ist die Informationslage oft chaotisch und wird von allen Seiten gezielt beeinflusst. Unterschiedliche Medien können ein und dasselbe Bild in völlig verschiedenen Kontexten präsentieren: als Beweis für Gräueltaten, als Heldenbild, als Propaganda oder als humanitären Hilferuf. Nur wenn diese Perspektiven nebeneinander existieren und überprüfbar sind, können wir uns ein vollständigeres Bild machen.

Medienvielfalt bedeutet hier: Konfliktberichterstattung darf nicht ausschließlich von einer beteiligten Partei kontrolliert werden. Unabhängige und vielfältige Stimmen sind entscheidend, um Wahrheit von Propaganda zu trennen – und um die menschlichen Kosten von Krieg sichtbar zu machen.

Freiheit braucht das ganze Bild. Nur durch viele, unabhängige Augenzeugen können wir die Realität hinter den Schlagzeilen erkennen.